Tränen waren gestern

Wir, das sind …

… die absolute Nummer 1 Mein Mann Werner, der mit 67 Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand, bei bester Gesundheit, absolut genießt. Der, wie seine geliebten Motorräder, topfit und gut in Schuss ist. Der sich aufgrund seines fröhlichen und ausgeglichenen Wesens seine Jugendlichkeit erhalten hat und dem sein Rentenalter tatsächlich niemand abnimmt. Der aufgrund seiner diversen Späßchen nicht nur bei Kindern und Hunden sehr hoch im Kurs steht. Der mich nicht zuletzt, entgegen meinem ursprünglichen Vorhaben, niemals zu heiraten, dann im Laufe unserer gemeinsamen Jahre (wohl eher unfreiwillig) davon überzeugt hat, diesen Schritt doch noch zu tun. Bereits seit einigen Jahrzehnten hieß es bei uns: tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert. Bis ich 10 eines Tages in seiner Gegenwart ein gewisses Kribbeln, das ich jedoch erfolgreich zu unterdrücken wusste, nicht mehr verleugnen konnte. Liebe auf den tausendsten Blick? Während der Feier zu meinem 40. Geburtstag am Unterschleißheimer See kamen wir uns dann schließlich unaufhaltsam näher. Der Genuss von etlichen Gläsern Jack Daniels mit Cola war daran nicht ganz unschuldig und ließ die Hemmschwelle gewaltig sinken. Der Gedanke, dass wir Jahre später heiraten würden, ist jedoch unter Garantie bei keinem von uns beiden aufgekommen. Unser Motto war wohl eher: „Ein bisschen Spaß muss sein.“ Aber oft kommt es im Leben anders, als man denkt, und das ist, aus heutiger Sicht, nun wahrlich nicht das Schlechteste. Hoch lebe Jacky Cola.

Nie werde ich den entsetzten Blick meiner Freundin und ihren Satz „Das kann ja wohl jetzt nicht dein Ernst sein“ vergessen, als ich ihr davon erzählte. In der Zwischenzeit hat sie ihre Meinung allerdings zu hundert Prozent revidiert. Stimmt doch, Isy, oder? Weder wir noch einer unserer gemeinsamen Freunde hätte uns damals mehr als zwei, höchstens drei Monate gegeben. Ja, in der Tat bedienen wir wohl beide perfekt das Klischee: Gegensätze ziehen sich an. Ersetzt man jedoch das Wort „Gegensätze“ durch das Wort „Ergänzungen“, wird man schnell feststellen, dass gerade diese das Salz in der Suppe sein können.

Er, der langhaarige „harte“ Biker. Ich, die mehr oder weniger solide Perfektionistin mit den langen lackierten Fingernägeln.

Er, der eingefleischte Hardrock-Fan. Ich, mit meinem Faible für Howard Carpendale. Country Music allerdings lieben wir beide. Ich muss gestehen, dass sich mein Musikgeschmack seinem inzwischen stark angepasst hat. So freuen wir uns jetzt schon sehr auf die Konzerte von Rammstein im Juli und Boss Hoss im November dieses Jahres.

Er, der eingefleischte Frühaufsteher, frei nach dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Ich, der Nachtmensch und absolute Morgenmuffel. Den Satz „Der frühe Vogel kann mich mal“ könnte ich da schon eher unterschreiben.

Er, der unverbesserliche Optimist. Ich mit meiner oft doch eher pessimistischen Einstellung.

Er, der absolute Chaot und unverbesserliche Schlamper, der, auch wenn er die Augen noch so weit aufmacht, keinen Dreck sehen kann. Ich, die ordnungsliebende „Sauberfrau“, der „gute“ Freunde des Öfteren heimlich die Dekoration in der Wohnung umgestellt haben, nur um zu testen, wie lange es dauert, bis ich es bemerken würde.

Das erklärt auch, warum wir uns einige Jahre nicht dazu durchringen konnten, unsere beiden Wohnungen aufzugeben, um zusammenzuziehen. Innerlich hatte ich mich nach unserem Umzug auf eine extrem konfliktreiche Zeit eingestellt. Aber auch das kam, wie so vieles bei uns, anders, als ich dachte. Kompromisse heißt das Zauberwort, mit dem alles machbar ist.

Eines unserer diversen „Erlebnisse“ ist mir dabei besonders im Gedächtnis haften geblieben und hat, nicht nur in unserem Freundeskreis, für spontane Lachanfälle gesorgt. Samstags ist bei mir schon seit jeher Hausputz angesagt. An diesem speziellen Samstag hatte ich meinen Mann gebeten, in unserem Haus für Sauberkeit zu sorgen, da ich den ganzen Tag unterwegs sein würde. Wie ich ja bereits wusste, kann er Dreck nicht unbedingt als solchen erkennen. Daher hatte ich ihn vorsichtshalber darauf hingewiesen, nicht zu vergessen, das Sieb im Abfluss des Waschbeckens im Badezimmer zu säubern. Als ich das Bad am Abend betrete, strahlt mir das Sieb in fast überirdischem Glanz entgegen. Ganz im Gegensatz zum Rest des Waschbeckens, das noch so schmutzig war wie am Morgen. Seine Erklärung „Du hast nur vom Sieb, nicht vom ganzen Waschbecken gesprochen“ muss man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Leute, da versteht man die Welt nicht mehr. Spätestens seit diesem Zeitpunkt hatte ich gelernt, dass Männer in der Tat sehr genaue und detaillierte Anweisungen brauchen. Missverständnisse dieser Art gibt es bei uns im Hause seit diesem Tag nicht mehr.

Ja, er ist schon sehr speziell, mein Angetrauter. Als er während eines Besuchs auf dem Flohmarkt ein sehr schönes altes Keramikschild mit der Aufschrift „Bitte im Sitzen pinkeln und Klodeckel schließen“ findet, freut er sich wie ein Schneekönig. Umgehend bringt er es an der Wand hinter unserer Toilette an und ist dann ungelogen der absolut Einzige, der sich nicht an diese Aufforderung hält. Die Funktionalität der sich automatisch schließenden Toilettendeckel, auf die er ausdrücklich besteht, hat er anscheinend bis heute nicht richtig verstanden. Denn diese schließen in der Tat nur automatisch, wenn man ihnen wenigstens einen winzigen Stups mit dem Finger gibt. So manche Logik hinter seinen „Taten“ kann verstehen, wer will, ich auf jeden Fall nicht.

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Taschenbuch:  224 Seiten, Preis € 10,99 inkl. MwSt.

 

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Nicole Schumacher

Rezension aus Deutschland vom 26. Januar 2020 auf Amazon

Verifizierter Kauf
Eine Rezension über eine Biographie zu schreiben, finde ich nicht einfach. Einen fiktiven Roman kann man zerpflücken – die Handlung und Charaktere loben oder kritisieren. Bei einer Biographie schreibt das Leben die Geschichte, wer gibt mir also das Recht, darüber zu urteilen? Umso glücklicher bin ich, dass es mir bei »Tränen waren gestern« nicht schwerfällt, dies nun doch zu tun. Das liegt in erster Linie an dem wunderbaren Schreibstil der Autorin Christl Friedl. Sie schreibt flüssig und klar und dabei herzerwärmend. Sie lässt, trotz der ernsthaften Grundstimmung des Buches, mit Bayrischem Charme und Witz die Geschichte ihres Lebens nicht wie ein Trauerspiel, sondern eher wie eine Tragikomödie wirken und das meine ich nicht abwertend, sondern absolut positiv.
Christl Friedl erlebte Verrat und Ablehnung durch den Vater, worunter sie jahrelang leiden musste, aber sie erfährt auch Liebe und Vertrauen, insbesondere durch ihre herzensgute Oma, liebe Verwandte, tolle Freunde und nicht zuletzt durch ihren Mann Werner und ihre süße Hündin Bella. Außerdem darf sie nach 57 Jahren endlich ihre Halbschwester kennenlernen, zu der der Kontakt durch den gemeinsamen tyrannischen Vater zeitlebens unterbunden wurde.
Christl ist eine Powerfrau mit Herz, die sich nicht unterkriegen lässt und eine gehörige Portion Lebensmut und Optimismus besitzt. Durch die erfrischende Art, in der das Buch geschrieben ist, wird Christl zu einer greifbaren Person, bei der man glaubt, sie schon seit Jahren zu kennen.
Ich empfehle dieses Buch jedem, der gerne Biographien von »normalen« Menschen liest. »Tränen waren gestern« ist tragisch und lustig zugleich – Die Bilanz eines schwierigen, aber dennoch nicht freudlosen, Lebens.